Bahn häuft weiter Schulden an

Der Schuldenberg der Deutschen Bahn steigt weiter, warnt der Bundesrechnungshof. Bahn und Politik stehen unter Druck. Das könnte ausgerechnet einen Manager den Job kosten, dessen Vertrauenshältnis zum Bundesverkehrsministerium bisher als ungetrübt galt.

Mit Richard Lutz erhielt die Deutsche Bahn 2017 einen Vorstandsvorsitzenden, der den Konzern und vor allem dessen Finanzen aus dem Effeff kennt. 1994 wurde er Controller und übernahm 2003 die Leitung des Konzerncontrollings. Und vielleicht liegt es ja daran, dass sich Lutz damals geweigert haben den Chefposten bei DB zu übernehmen. Denn nicht einmal Richard Lutz hat die finanzielle Schieflage des Konzerns ändern. Wir erinnern uns: 2019 hat der Bundesrechnungshof die 1993 eingeleitete Bahnreform für gescheitert erklärt. Grund: Der Schuldenberg der Bahn hat sich in der Folge der Privatisierung nicht verringert, sondern ist gewachsen.

Für die Misswirtschaft hatte der Rechnungshof Fehler in der Aufsicht verantwortlich gemacht. Das könnte ausgerechnet jenen Richard Lutz den Job kosten, der bereits 2018 gemeinsam mit anderen bahnvorständen vor der angespannten Finanzlage und den gewaltigen Reformbedarf im Konzern gewarnt hatte. Der Bundesrechnungshof legt jetzt eine weitere Schuldenwarnung vor, berichtet das Handelsblatt. Die Nettoschulden der Bahn werden voraussichtlich von 32 Milliarden Euro im vergangenen Jahr 2020 auf 36 Milliarden in diesem Jahr steigen, und im Jahr 2022 auf bis zu 38 Milliarden Euro. Das setzt die Politik unter Handlungsdruck.

In der großen Koalition sei man auf den Bahnvorstand ohnehin nicht gut zu sprechen, berichtet das Handelsblatt. Man sei zwar bereit, der Bahn frisches Geld zur Verfügung zu stellen – etwa für die Ausfälle durch die Corona-Pandemie. Dafür müsste sich die Bahn aber mit den Aufsichtsbeamten der Europäischen Union einigen. Dort sieht man in weiteren Zuwendungen eine unerlaubte Subvention. Die Bahn solle beispielsweise ihr Buchungssystem für Konkurrenten öffnen oder ausrangierte Züge an den Wettbewerb weitergeben. Dazu ist die Bahn derzeit nicht bereit.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.