Kostenloser Nahverkehr: Wirklich zu teuer?

Berliner S-Bahn

Foto: Deutsche Bahn

Bevor der kostenlose Nahverkehr in Deutschland seinen Testlauf beginnt, hagelt es Kritik: Das sei zu teuer. Eine Studie der Uni Kassel hat jetzt ergeben: Am höchsten subventionieren die Kommunen den Autoverkehr.

Kostenloser Nahverkehr: Damit will die Bundesregierung die Luft in deutschen Städten verbessern und in letzter Minute Dieselfahrverbote abwenden. In mehreren deutschen Städten soll es dazu Pilotprojekte geben. Ganz neu ist die Idee nicht. Die FAZ und viele andere deutsche Medien listen auf, wo Bus und Bahn schon heute nichts kostet. So stellt beispielsweise Nachbar Polen den Nahverkehr kostenlos, wenn die Smog-Werte in Krakau und Warschau kritische Grenzen erreichen.

Den Fans von kostenlosem Nahverkehr gießen die Übersichten Wasser in den Wein. Vielerorts gelten die Angebote nur begrenzt oder sind mittlerweile eingestellt worden. Zu teuer, heißt es. Die Fahrgastzahlen explodieren, man müsse mehr Züge und Busse anschaffen, warnen ÖPNV-Unternehmen. Dass ein interessierter Fahrgast, den Betreibern als größter anzunehmender Unfall dient, sagt nebenbei viel über den Zustand des Öffentlichen Personennahverkehrs in Deutschland aus.

Autoverkehr kostet Kommunen dreimal so viel wie Bus und Bahn

Ganz sicher wird ein kostenloser Nahverkehr höhere Steuerzuschüsse beanspruchen, aber ist er deswegen ein schlechtes Geschäft? Wissenschaftler der Uni Kassel meinen: Nein. Der Verkehrswissenschaftler Prof. Dr.-Ing. Carsten Sommer hat in einem Forschungsprojekt ermittelt, was verschiedene Verkehrsmittel wirklich kosten. Ergebnis: Der Autoverkehr kostet die Städte dreimal so viel wie der Öffentliche Nahverkehr. Wie der ÖPNV erfordere der Autoverkehr Investitionen in die Verkehrswege. Aber anders als dieser, tragen Autofahrer nichts zur Gegenfinanzierung der Kosten bei.

PKW-Maut von 13 Cent pro Kilometer?

Die Studie bezog in die Betrachtung auch indirekte Kosten der Verkehrsmittel ein: Lärm- und Gesundheitsbelastung sowie die Kosten von Unfällen. Hier konnten die Öffis gegenüber dem Individualverkehr punkten. Die Stadt Kassel müsste laut Studie pro gefahrenem PKW-Kilometer 12,9 Cent Maut berechnen, um alle Kosten des Autos gegenzufinanzieren. Lastwagen müssten pro Kilometer 55,9 Cent bezahlen.

Excel-Tool für Kämmerer

Investitionen in Straßen nehmen die Kämmerer jedoch meist schweigend und als unvermeidlich hin, während der ÖPNV auf Euro und Cent als Kostenfaktor im Haushalt auftaucht. Die Kasseler Studie bietet also gute Gründe über die Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs neu nachzudenken. Kommunen, die das jetzt tun wollen, unterstützt die Uni Kassel mit einem Excel-Tool. Am günstigsten schnitten in der Studie übrigens Fußgänger und Radfahrer ab, die den Kommunen sogar Gewinn erwirtschaften.

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